Vielfach ist angerathen worden, das Sublimat anderen Mitteln (Carbollösung, Tabaksdeooct) zuzusetzen. Indess ist hierbei mit Vorsicht zu verfahren und der Gehalt an Sublimat in dem Präparate entsprechend zu verringern, weil sonst eine Vergiftung herbeigeführt werden kann. Ich habe von mehreren Fällen Kenntniss erhalten , in welchen räudekranke Pferde fahrlässiger Weise dadurch tödtlich vergiftet wurden, dass die Waschung aus 2 oder 3 wirksamen Mitteln zusammengesetzt und dass von jedem der letzteren so viel genommen wurde, wie bei der Benutzung desselben für sich allein zulässig gewesen wäre. Wenn auch die Wirkungen verschiedener Gifte nebeneinander erfolgen, so ist doch leicht verständlich, dass die Pferde durch das Zusammentreffen derselben tödtlich afficirt werden können.
Kreosotlösung: Kreosotum 1, Spiritus 10 und Aqua 20 oder:, Kreosotum 1, Oleum Rapae 30 (nach Gerlach).
Theerliniment: Pix liquida, Flores Sulfuris ana 280; Sapo viridis, Spiritus ana 560 (nach Roll). Das Mittel wird mit einer Bürste über die gesammte Haut gut eingerieben. Selbst in inveterirten Fällen soll nur ausnahmsweise eine Wiederholung nothwendig gewesen sein.
Styrax: Für sich allein oder mit 3—5 Theilen Spiritus. Zur Behandlung einzelner Hautpartien ganz geeignet, sonst für gewöhnlich zutheuer.
Oleum animale foetidum. Wegen des üblen Geruchs nicht überall anwendbar, im Uebrigen zur Bepinselung der Haut an einzelnen Stellen ganz zweckmässig.
Unguentum Hydrargyri cinereum. Für die Behandlung der ganzen Haut ist der Preis der grauen Salbe relativ hoch. Dagegen kann dieselbe zu wiederholten Einreibungen einzelner Hautstellen (Kopf, Kehlgang, Genickpartie, Halskamm etc.) recht vortheilhaft verwendet werden. In manchen Fällen ist eine combinirte Behandlung mit verschiedenen Medicamenten angezeigt. Man kann ganz zweckmässig eine allgemeine Waschung mit Arsenik- oder Sublimatlösung und die Localbehandlung der schwer erkrankten Hautstellen mit einem anderen der vorbenannten Präparate vereinigen. Zur Localbehandlung des Halses oder einer anderen relativ kleinen Hautpartie eignen sich auch Petroleum und Oleum Tere-binthinae. Als billiges Mittel ist zu demselben Zwecke ferner die wiederholte Bepinselung einzelner Stellen mit Theer empfehlenswert!). Die früher übliche Behandlung einzelner, durch Krusten- und Borkenbildung entarteter Hautpartien mit dem per Distanz applicirten Glüheisen ist nicht mehr gebräuchlich. Das Verfahren ist aber nicht irrationell. — Nicht ausreichend fand ich die Behandlung der Sarcoptesräude mit Kalium sulfuratum (1 zu 5—10 Aqua), Acidum sulfur. crudum (1 zu 20—25 Aqua) oder Acidum carbolicum (1—3 zd 100 Aqua).
Gegen die Dermatocoptesräude köpnen sämmtliche, vorstehend genannte Mittel angewendet werden. Sehr heilsam und leicht zu appliciren ist die Einreibung der am meisten afficirten Regionen mit Ungt. Hydrarg. cinereum neben allgemeinen Waschungen mit einer 0,5proc. Lösung von Kalium carb. Auch eine lproc. Carbollösung ist zur allgemeinen Behandlung der Haut geeignet. Wirksamer ist aber eine lproc. Sublimatlösung. Die von älteren Autoren empfohlene Salbe aus Calcaria chlorata (2), Oleum Terebinthinae (5) und Sapo viridis (25) verdient wegen des billigen Preises auch gegenwärtig noch in geeigneten Fällen die Beachtung der Thierärzte. Das Mittel ist einmal in die ganze Haut und recht nachhaltig mit einer scharfen Bürste in die sichtbar erkrankten Partien einzureiben. N^ch 3 Tagen erfolgt die allgemeine Abwaschung der Haut mit warmem Wasser oder mit Kleienwasser. Zuweilen muss das Verfahren 1 oder 2 Mal wiederholt werden.
Prophylaxis
Abgesehen von den Schutzmassregeln, welche nach den veterinärpolizeilichen Vorschriften zur Anwendung kommen, empfiehlt sich wegen der grossen wirthschaftlichen Bedeutung der Räude, die sorgfältigste Beachtung jedes verdächtigen Exanthems. Fremde Pferde, deren Haut in grösseren Partien verdickt und von Haaren entblösst ist, sind so lange als verdächtig anzusehen und isolirt zu halten, Ms mit Sicherheit entschieden werden kann, dass der abnorme Zustand nicht durch Räudemilben bedingt wird.