Wenn die Räude in grösseren Pferdebeständen herrscht, so ist eine getrennte Aufstellung und Beschäftigung der Thiere schon aus therapeutischen Gründen zweck­mässig. Es sind: 1. die schwer erkrankten; 2. die leicht afficirten und verdächtig erkrankten; 3. diejenigen Pferde, an welchen noch keine Zeichen der Räude erkennbar sind — in besonderen Räumlichkeiten unterzubringen. Zuweilen lässt sich die letzt­gedachte Gruppe mit dieser Absonderung vor der Ansteckung bewahren.

Dermatophagusräude (Scabies equi dermatophagica).

Fussräude.


Pathogenese

Die schuppenfressende Räudemilbe (Dermatophagus bovis Fürst.) schmarotzt an den Gliedmassen der Pferde und hält sich vorzugsweise an den Hinterfüssen im Köthenzopfe auf. Diese Milben leben, wie Gerlach zuerst festgestellt hat, colonienweise und ernähren sich von den Epidermisschuppen. Ihr Verbreitungsbezirk erstreckt sich vom Fessel bis zum Tarsus resp. Carpus. Doch kommen sie an den Vordergliedmassen nur. selten vor. Gerlach (1. c. S. 111) constatirte in zwei ver­nachlässigten Fällen, dass sich die Milben auf die Schultern und den Hals der Pferde verbreitet hatten.

Die Dermatophagusmilben verursachen durch ihre Bewegungen und durch das Benagen der Epidermis eine mit starkem Juckgefühl verbundene oberflächliche Reizung der Haut und in Folge derselben eine reichliche Abschüppung der Epidermis und partielles Ausfallen der Haare. Die Pferde scheuern und reiben sich an den kranken Gliedmassen, so dass die Haut stellenweise blutrünstig wird. Während der Nacht laufen und nagen die Milben am meisten. Deshalb gestaltet sich das krankhafte Juckgefühl in der Nacht stärker, als am Tage.

Symptome.

1.)Heftiger Juckreiz und in Folge desselben: Häufiges Reiben der Mittelfusspartie einer Hintergliedmasse mit dem inneren Tragerande des Hufes der anderen Gliedmasse oder an den Raumbäumen des Stalles. An den Vordergliedmassen benagen sich die Pferde die Region des Fesseis und des Metacarpus. Manche Pferde stampfen mit den Hinterhufen zeitweise auf den Boden; oder sie schlagen in der Nacht während 1—2 Stunden gegen die Stallwände oder gegen die Raumbäume. Wird die Haut am Fessel der kranken Gliedmasse mit den Fingern gerieben oder gekratzt, so äussern die Thiere Wohlbehagen durch Bebbern mit den Lippen und Einbiegen des Körpers.

Reichliche Abschuppung der Epidermis und partieller Verlust der Haare an den afficirten Gliedmassen.