Prognose

Obgleich die Störungen, welche der Parasitismus der Läuse mit sich bringt, nicht lebensgefährlich werden, so gestalten sich dieselben doch recht lästig. Namentlich in grösseren Pferdebeständen kann die Ausrottung der Läuse schwierig sein. Der Erfolg der Behandlung ist zum grossen Theil von der Sorgfalt bedingt, welche auf ihre Ausführung verwendet wird. — Nicht selten scheinen die Läuse bei den betreffenden Pferden im Sommer vollständig beseitigt zu sein. Aber im folgen­den Winter tritt das Uebel von Neuem wieder hervor. Die wenigen Exemplare, die im Sommer vorkommen, halten sich im Köthenzopf und am Halskamm unter der Mähne auf.


Therapie

Zur Vertilgung der Läuse ist ein analoges Heilverfahren einzuschlagen, wie bei der Räude. Sehr empfehlenswerth ist zunächst das Scheeren der Pferde, mit welchem den Schmarotzern eine wesentliche Lebensbedingung entzogen wird. — Als läusetödtende Mittel haben sich am meisten bewährt: Unguentum Hydrarg. einer., welches mit einer scharfen Bürste (Kartätsche) in kleinen Quantitäten über die Haut verbreitet wird; ferner eine Salbe aus Ol. animal. foet., Ungt. Hydr. ein. und Sap. virid. zu gleichen Theilen; Benzinum Petrolei (1) mit Spiritus (10); Solutio Sublimati (1 : 100) und die S. 538 genannten Arsenikpräparate. Haubner hat folgendes Mittel zur Einreibung in die Haut empfohlen: Rep.: Fruct. Sabadillae, Sem. Staphisagriae, Rhiz. Veratri ana 1, Sem. Anisi 2. M. f. p. Einzelne Hautpartien können zweckmässig mit Einreibungen von Petroleum oder von öproc. Carbollösung behandelt werden. — Es ist darauf zu achten, dass die Anwendung des Heilverfahrens nach 8—14 Tagen wiederholt und dass eine entsprechende Desinfection des Stalles (vergl. S. 537) vor­genommen wird. Der Pferdehaarling (Trichodectes pilosus) wird zuweilen bei abge­magerten Pferden (am Kopfe und Halse) angetroffen. Diese Parasiten leben von Haaren und Epidermisschuppen. Erhebliche Nachtheile verursachen sie nicht. Bei guter Er­nährung der betreffenden Pferde verlieren sie sich gewöhnlich von selbst. Sonst ist ihre Vertilgung mit den gegen die Läuse gebräuchlichen Mitteln zu bewirken.

Von der Vogelmilbe (Dermanyssus avium) werden die Pferde im Ganzen selten und stets nur dann afficirt, wenn sie in Stallungen stehen, in welchen eine Hühnerstiege oder ein Taubenschlag angebracht ist. Die Vogelmilbe schmarotzt bei den Pferden nur des Nachts, besonders am Halse und auf dem Rücken. Sie erzeugt ein lästiges Juckgefühl, was die Pferde zum Scheuern der betreffenden Hautpartien veranlasst.

Der Parasitismus des Dermanyssus avium ist bei den Pferden im Allgemeinen nicht leicht zu diagnosticiren, weil die Milbe während der Tageszeit sich gewöhnlich nicht auf der Haut aufhält. Verwechselungen mit anderen Hautkrankheiten sind oft vorgekommen. — Die Behandlung der Störung beruht in der Abstellung der Ursachen (Beseitigung der Hühnerstiege aus dem Pferdestall^. Im Uebrigen genügt meist schon eine sorgfältige Reinigung der Haut. Bei erheblichem Juckreiz ist die Waschung der Haut mit Aqua carbolisata vortheilhaft.


ENDE